Retourenquote im Online-Modehandel: Zahlen, Berechnung und Maßnahmen.
Die Retourenquote ist die zentrale Kennzahl im Retourenmanagement. Im deutschen Online-Modehandel ist sie höher als in jeder anderen Warengruppe — und sie sinkt nicht.
Diese Seite fasst zusammen, was aktuelle Erhebungen des EHI Retail Institute und der Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg zeigen: wie hoch die Quoten tatsächlich liegen, wie sie berechnet werden, was eine einzelne Retoure kostet und welche Maßnahmen Händler heute einsetzen.
Was ist eine normale Retourenquote?
Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Die Retourenquote hängt fast vollständig vom Sortiment ab.
Die EHI-Studie „Versand-, Verpackungs- und Retourenmanagement im E-Commerce“ vom November 2025 zeigt für den Textilhandel: 87,7 Prozent der befragten Händler berichten von Rücksendequoten bis zu 50 Prozent, bei weiteren 12,2 Prozent liegen sie noch darüber. Ebenfalls 12,2 Prozent — eine andere Gruppe von Händlern — kalkulieren dagegen mit bis zu 10 Prozent zurückgesendeter Ware. Studienautor Niklas Stanislawski fasst es so zusammen: Im Textilhandel erhält jeder achte Händler mehr als die Hälfte der Bestellungen zurück.
Die Fachzeitschrift Textilwirtschaft berichtet aus derselben Studie eine feinere Aufschlüsselung: Bei fast jedem vierten befragten Modehändler (24,5 Prozent) liege die Quote zwischen 36 und 50 Prozent, bei 22,4 Prozent zwischen 11 und 20 Prozent.
Die Folgeerhebung des EHI vom September 2026 bestätigt das Bild: 67,5 Prozent der befragten Modehändler melden Retourenquoten von mehr als 20 Prozent, nach 65,3 Prozent im Vorjahr. Der Anteil besonders hoher Quoten von über 50 Prozent ging zwar zurück, dafür verschob sich ein Teil der Händler in den Bereich zwischen 36 und 50 Prozent.
Im Vergleich dazu: Im Elektronikhandel geben 85,7 Prozent der Händler Quoten von bis zu 10 Prozent an. Möbelhändler beziffern die Rücksendequote zu rund 93 Prozent mit bis zu 10 Prozent.
| Warengruppe | Typische Rücksendequote (EHI 2025) |
|---|---|
| Mode und Textil | 87,7 % der Händler bis 50 %, 12,2 % darüber |
| Elektronik | 85,7 % der Händler bis 10 % |
| Möbel | rund 93 % der Händler bis 10 % |
Einordnung der Datenbasis: Die EHI-Studie beruht auf einer Onlinebefragung von 124 namhaften Onlinehändlern der DACH-Region im Sommer 2025, überwiegend mit Sitz in Deutschland; rund ein Viertel der Befragten erwirtschaftet über eine Milliarde Euro Jahresumsatz. Die Berichterstattung weist darauf hin, dass die Befragung nicht repräsentativ ist, und offizielle Statistiken zu Retouren existieren in Deutschland nicht. Zur Stichprobe der Folgeerhebung 2026 nennt die Berichterstattung keine Angaben.
Wie berechnet man die Retourenquote?
Die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Otto-Friedrich-Universität Bamberg unterscheidet zwei Kennzahlen, die regelmäßig verwechselt werden.
Alpha-Retourenquote — die Rücksendewahrscheinlichkeit eines Pakets:
Beta-Retourenquote — die Rücksendewahrscheinlichkeit eines Artikels:
Da Kunden häufig Auswahlbestellungen aufgeben, also mehrere Artikel pro Paket bestellen, liegt die Beta-Quote meist unter der Alpha-Quote.
Nach den Erhebungen der Forschungsgruppe hängen beide Werte im Fashion-Bereich stark von der Zahlungsart ab:
| Zahlungsart | Alpha (Paket) | Beta (Artikel) |
|---|---|---|
| Rechnung | 55,65 % | 45,87 % |
| E-Payment | 44,10 % | 37,31 % |
| Vorkasse | 30,15 % | 26,13 % |
Da Mode überwiegend auf Rechnung bestellt wird, kann laut Forschungsgruppe davon ausgegangen werden, dass in diesem Bereich etwa jedes zweite versendete Paket zurückkommt. Bei modischen Textilien und Schuhen werden teilweise Quoten von 70 bis 80 Prozent beobachtet.
Praktische Konsequenz: Zwei Shops mit identischer Realität können völlig unterschiedliche Zahlen berichten, wenn der eine auf Paketebene und der andere auf Artikelebene rechnet. Jede Zahl braucht ihre Bezugsgröße.
Wie hoch ist die Retourenquote in Deutschland?
Nach dem Europäischen Retourentacho der Forschungsgruppe Retourenmanagement wird nahezu jedes vierte in Deutschland im B2C-E-Commerce verschickte Paket retourniert — 24,1 Prozent.
Der Modehandel trägt den Großteil davon: Etwas über 80 Prozent der retournierten Pakete entfallen auf das Modesegment. Die Fachpresse beziffert den Anteil der Mode an den retournierten Artikeln unter Berufung auf das EHI mit rund 90 Prozent.
In absoluten Zahlen schätzt Björn Asdecker für 2026 rund 560 Millionen Retourenpakete in Deutschland, ein neues Allzeithoch. Den Wert für 2025 setzt er auf Basis neuer Sekundärdaten inzwischen bei rund 542 Millionen an; seine Schätzung vom November 2025 hatte bei 550 Millionen gelegen. Für 2024 lag die Schätzung bei etwa 530 Millionen.
Zur Größenordnung bei einem einzelnen Anbieter: Eine Sprecherin von Zalando gab gegenüber der Presse an, dass über alle Märkte hinweg im Durchschnitt 50 Prozent der bestellten Artikel zurückgeschickt werden.
Nach der Einschätzung der Forschungsgruppe sind die Retourenquoten seit der letzten umfassenden Erhebung 2022 trotz vielfältiger Maßnahmen im präventiven Retourenmanagement auf unverändert hohem Niveau geblieben. Ein Rückgang ist derzeit nicht erkennbar.
Wie hoch ist die Retourenquote bei Amazon?
Amazon veröffentlicht keine Retourenquoten. Belastbare Zahlen für einzelne Plattformen liegen öffentlich nicht vor.
Bekannt ist, welche Maßnahmen Amazon einsetzt: Der Händler gibt Kunden Größenempfehlungen und markiert Artikel, die häufig zurückgeschickt werden. Für einzelne Warengruppen wurden Rückgabefristen verkürzt.
Das ist aufschlussreicher als eine Zahl: Die größte Plattform im Markt behandelt größenbedingte Retouren als Produktproblem und greift direkt auf der Produktseite ein, statt nachgelagert im Retourenprozess.
Was kostet eine Retoure?
Hier liegt die Zahl, die im deutschen Markt am seltensten korrekt wiedergegeben wird.
Nach den Erhebungen der Forschungsgruppe Retourenmanagement kostet eine Retoure einen Versandhändler durchschnittlich 15,18 Euro. Davon entfallen 7,93 Euro auf Prozesskosten für Transport, Vereinnahmung, Aufbereitung und Administration, und 7,25 Euro auf den Wertverlust. Den Wertverlust geben die Befragten mit durchschnittlich 13,1 Prozent des Warenwerts an, bei einem mittleren Retourenwert von 55,35 Euro.
Entscheidend ist jedoch, dass dieser Durchschnitt die tatsächliche Belastung kleinerer Händler deutlich unterzeichnet. Die Prozesskosten hängen stark vom bearbeiteten Volumen ab:
| Retouren pro Jahr | Mittlere Prozesskosten je Rücksendung |
|---|---|
| Weniger als 10.000 | 17,70 € |
| 10.000 bis 50.000 | 6,61 € |
| Über 50.000 | 5,18 € |
Kleine Versandhändler mit wenigen Retouren tragen also tendenziell deutlich höhere Kosten je Rücksendung als Großunternehmen — nach diesen Werten mehr als das Dreifache.
Die Forschungsgruppe hält außerdem fest, dass es sich bei der vielfach beworbenen kostenlosen Rücksendung um ein Subventionsgeschäft handelt: Der Händler kalkuliert die erwarteten Kosten vorab in den Verkaufspreis ein. Kunden, die wenig zurückschicken, finanzieren über höhere Preise die Gruppe der Vielretournierer.
Für den deutschen Markt fällt das besonders ins Gewicht: Nach dem Europäischen Retourentacho ist der Rückversand bei 88,7 Prozent der befragten deutschen E-Commerce-Händler kostenlos, gegenüber 52,4 Prozent im übrigen EU-Raum.
Aktuellere Zahlen zur Kostenseite liefert das EHI für 2025, allerdings je retourniertem Artikel und nicht je Rücksendung: Über die Hälfte der Händler (53,3 Prozent) gibt die Bearbeitungskosten pro retourniertem Artikel mit bis zu 10 Euro an, weitere 13,9 Prozent mit bis zu 20 Euro. Bemerkenswert ist ein dritter Wert: 27 Prozent der befragten Händler können ihre Bearbeitungskosten überhaupt nicht konkret beziffern. Fehlende Kostentransparenz erschwert dort jede gezielte Optimierung.
Die Folgeerhebung 2026 zeigt, wer diese Kosten trägt: 60,6 Prozent der Händler übernehmen die Rücksendekosten inzwischen vollständig selbst, nach 49,2 Prozent im Vorjahr. Und weiterhin kann mehr als ein Viertel der Befragten die eigenen Bearbeitungskosten pro retourniertem Artikel nicht einordnen.
Was Händler heute gegen hohe Retourenquoten tun.
Die Fachzeitschrift Textilwirtschaft nennt auf Basis der EHI-Befragung die folgenden Schwerpunkte:
- Detaillierte Produktinformationen und -beschreibungen im Online-Shop — 75,2 Prozent
- Hochwertige Produktbilder und -videos — rund 62,8 Prozent
- Qualitätssicherung vor Versand — 47,9 Prozent
- Gezielte Prüfung auffälliger Rückläufer — fast 44 Prozent
Diese Maßnahmen sind etabliert und weitgehend ausgereizt. Für die nächsten drei Jahre rechnen gut 80 Prozent der Befragten nicht damit, dass sich das Retourenaufkommen verbessert; 17 Prozent gehen von einem weiteren Anstieg aus. Beim Einsatz von KI im Retourenmanagement ist der Markt weit zurück: Nach Angaben des EHI setzen bislang nur 7,3 Prozent der Befragten KI ein, 12,2 Prozent prüfen Anwendungsfälle, 45,5 Prozent halten sie künftig für relevant und rund 35 Prozent distanzieren sich derzeit vollständig davon.
Parallel zeigt der KPMG Consumer Snapshot „Retourenverhalten in Deutschland“, ausgewertet mit dem EHI: Fast ein Drittel der Konsumentinnen und Konsumenten empfindet den Rücksendeprozess der meisten Händler als kompliziert oder sehr kompliziert; bei den 35- bis 44-Jährigen sind es bis zu 44,2 Prozent. In der Folge behalten 36,0 Prozent der Kundschaft regelmäßig oder häufig Produkte, obwohl sie ihnen nicht vollständig zusagen.
Das heißt: Ein Teil der Passformprobleme taucht in keiner Retourenstatistik auf. Er erscheint stattdessen als nicht wiederkehrender Kunde.
Passform als Ursache — und was sich gerade ändert.
Der größte Modehändler im deutschen Markt setzt inzwischen genau hier an. Zalando kündigte auf der Copenhagen Fashion Week an, seine virtuelle Umkleidekabine — eine virtuelle Anprobe auf Basis eines 3D-Avatars — 2026 für alle Kunden einzuführen, mit dem Ziel, Retouren zu reduzieren und die klassische Größentabelle abzulösen. In Tests mit ausgewählten Marken, darunter Levi’s, konnte das Unternehmen die Retourenquote bei Jeans um bis zu 40 Prozent senken.
Bemerkenswert ist der technische Weg: Der Avatar entsteht aus Angaben der Kundinnen und Kunden zu Größe, Gewicht und Geschlecht, in der weiterentwickelten Version aus konkreten Körpermaßen. Es wird kein Foto benötigt.
Für unabhängige Marken bleibt diese Lösung allerdings unzugänglich. Sie ist Teil der Plattform, nicht ein Produkt, das ein Shop einsetzen kann.
Welche Hebel eine unabhängige Marke gegen größenbedingte Retouren hat, zeigt unser Artikel Größenbedingte Retouren senken.
OptiDress.
OptiDress bringt denselben Ansatz in Ihren eigenen Shop.
Der Avatar wird aus den vom Besucher angegebenen Körpermaßen aufgebaut — Größe, Gewicht, Körperform. Es wird kein Foto hochgeladen und es werden keine biometrischen Daten erhoben. Die empfohlene Größe erscheint in der OptiDress-Oberfläche, die der Besucher von der Produktseite aus öffnet: Dort wird jede Größe des Kleidungsstücks angezeigt, die empfohlene in Grün, die anderen erklärt. Der zuletzt erstellte Avatar bleibt 30 Tage im Shop verfügbar, sodass wiederkehrende Besucher ihn nicht erneut anlegen müssen.
OptiDress ist als native App für Shopify verfügbar, als WordPress-Plugin für WooCommerce und als universelles Skript für jeden anderen Shop.
Quellenverzeichnis.
- EHI Retail Institute (27.11.2025): „Zwischen Retouren und Rentabilität“, Pressemitteilung zur Studie „Versand-, Verpackungs- und Retourenmanagement im E-Commerce“. Onlinebefragung von 124 Onlinehändlern in der DACH-Region, Sommer 2025. Studienautor: Niklas Stanislawski. https://www.ehi.org/presse/zwischen-retouren-und-rentabilitaet/
- Textilwirtschaft (27.11.2025): „Neue EHI-Studie: So haben sich die Retourenquoten entwickelt“, Berichterstattung zur EHI-Studie.
- B. Asdecker (2026): „Statistiken Retouren Deutschland — Definition“, Forschungsgruppe Retourenmanagement, Otto-Friedrich-Universität Bamberg. https://www.retourenforschung.de/definition_statistiken-retouren-deutschland.html
- B. Asdecker (25.11.2025): „Neuer Rekord — 2025 voraussichtlich 550 Millionen Retourenpakete in Deutschland“, Forschungsgruppe Retourenmanagement. https://www.retourenforschung.de/info-neuer-rekord---2025-voraussichtlich-550-millionen-retourenpakete-in-deutschland.html
- B. Asdecker (30.09.2026): „Aktualisierte Schätzung bezüglich der Anzahl an Retourenpaketen im Jahr 2026“, Forschungsgruppe Retourenmanagement. https://www.retourenforschung.de/info-aktualisierte-schaetzung-bezueglich-der-anzahl-an-retourenpaketen-im-jahr-2026.html
- EHI Retail Institute (30.09.2026): „Wieder mehr kostenlose Retouren“, Pressemitteilung zur Studie „Versand- und Retourenmanagement im E-Commerce 2026“. Onlinebefragung von 108 Onlinehändlern in der DACH-Region, Sommer 2026. https://www.ehi.org/presse/wieder-mehr-kostenlose-retouren/
- Logistik Heute (30.09.2026): „E-Commerce: Retouren bleiben relevantes Thema“, Berichterstattung zur EHI-Studie 2026.
- Forschungsgruppe Retourenmanagement (2022): Europäischer Retourentacho — Ergebnisbericht Teil 1: Deutschland vs. Rest-EU.
- KPMG / EHI (11.12.2025): Consumer Snapshot „Retourenverhalten in Deutschland: Eine Frage der Haltung?“ https://kpmg.com/de/de/medien/pressemitteilungen/2025/12/retouren-als-chance-kundenerwartungen-verstehen-huerden-verringern.html
- Fachpresse-Berichterstattung zur Ankündigung von Zalando auf der Copenhagen Fashion Week, Februar 2026.



